Dr. Ernst Hruška

Arzt für Allgemeinmedizin

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Neuraltherapie

Geschichte

Entwickelt wurde die Neuraltherapie maßgeblich durch die Ärzte Ferdinand und Walter Huneke. Im Jahre 1925 injizierte Ferdinand Huneke seiner an chronischer Migräne leidenden Schwester ein procainhaltiges Antirheumatikum (Atofanyl) versehentlich intravenös statt intramuskulär. Die intravenöse Applikation von Lokalanästhetika kann zu schwerwiegenden Komplikationen wie Krampfanfällen und Herzrhythmusstörungen führen. Huneke beobachtete jedoch in diesem Fall eine schlagartige und bleibende Heilwirkung, so dass er gemeinsam mit seinem Bruder Walter die therapeutische Anwendung von Procain weiter erforschte. Über mehrere Jahre entstand durch diese Forschung zunächst die sogenannte Segmenttherapie als Teil der Neuraltherapie.

Im Jahre 1940 entdeckte Ferdinand Huneke die sogenannte Störfeldtherapie. Er behandelte eine an Migräne und Gelenkbeschwerden in der Schulter leidende Frau im Bereich einer Beinwunde (Osteomyelitis), nachdem er bereits zuvor mehrfach erfolglos die Segmenttherapie durchgeführt hatte. Nach der Behandlung am Bein soll binnen Sekunden eine deutliche Besserung im Bereich der Schulter eingetreten sein. Er postulierte die Existenz sogenannter „Störfelder“; dabei soll es sich um chronische Entzündungszustände handeln, die den Gesamtorganismus „energetisch“ schwächen und Beschwerden in anderen Bereichen des Körpers hervorrufen können.

 

Behandlungsformen

Segmenttherapie

Bei der Segmenttherapie wird ein Lokalanästhetikum, in der Regel Procain, aber auch Lidocain oder Prilocain, in Form von Hautquaddeln oder an Ganglien im Bereich der entsprechenden Headschen Zonen der inneren Organe injiziert. Dabei soll die Wirkung über das vegetative Nervensystem im betroffenen Segment vermittelt werden.

Störfeldtherapie

Nach Huneke soll es sich bei „Störfeldern“ um chronische Entzündungszustände handeln, die den Gesamtorganismus „energetisch“ schwächen und Beschwerden in anderen Bereichen des Körpers erzeugen können. Die häufigsten Störfelder sollen sich in den Mandeln, Nasennebenhöhlen, der Zahn-Kiefer-Region,Schilddrüse und in Narben befinden.

Huneke ging dabei von folgenden drei Grundsätzen aus:

  1. Jede chronische Erkrankung kann störfeldbedingt sein
  2. Jede Stelle des Körpers kann zu einem Störfeld werden
  3. Jede Störfelderkrankung ist nur durch Ausschaltung des Störfeldes heilbar

Durch gezielte Befragung und Untersuchung wird versucht, das Störfeld zu finden und durch Injektion eines Lokalanästhetikums („dem unblutigen Messer“) die Störwirkung zu unterbrechen. Dabei soll besonders die Ausschaltung elektromagnetischer Signale, welche über das vegetative Nervensystem Erkrankungen an jedem Ort des Körpers auslösen können, eine Rolle spielen. Beweisend für das Auffinden des Störfeldes soll das „Sekundenphänomen“ sein: Wenn nach Injektion des Lokalanästhetikums die Beschwerden innerhalb von Sekunden für mindestens 20 Stunden gebessert sind, und dieses Phänomen reproduzierbar ist, ist die Quelle des Störfeldes gefunden.

Andere Behandlungsformen

Bei der Therapeutischen Lokalanästhesie (TLA) werden gereizte Nervenwurzeln, etwa im Bereich der Lendenwirbelsäule, mit einem Lokalanästhetikum infiltiert. Teilweise werden auch Sakralanästhesien oder Periduralanästesien nur zu therapeutischen Zwecken eingesetzt. Ein weiteres Verfahren ist die Reischauer-Blockade, die bei starken Ischias-Reizungen angewendet wird. Die Sympathikusblockade wird bei Algodystrophien verwendet, um Störungen der lokalen Durchblutung zu behandeln.

Eine weitere Variante der Neuraltherapie ist die Funktionelle Neuraltherapie (FNT). Bei der FNT sind an der Körpervorderseite Punkte definiert, die mit einzelnen inneren Organen „funktionell“ in Verbindung stehen. Bei Erkrankungen dieser Organe sollen auch die jeweils zugeordneten Punkte deutlich druckschmerzhaft und als Knoten tastbar sein. Durch Injektion eines Lokalanästhetikums in diese Punkte soll nicht nur die Übermittlung von Schmerzsignalen aus den funktionell zugeordneten Punkten, sondern auch aus den erkrankten inneren Organen unterbrochen werden. Mittels wiederholter Anwendung soll so der Heilungsprozess initiiert werden.

 

Ausbildung

Die Neuraltherapie wird in der Regel durch naturheilkundlich orientierte Ärzte angeboten. Diese können nach einer Fortbildung, die 120-150 Stunden und eine abschließende Prüfung umfasst, diese Behandlungsform durchführen. Es existiert allerdings keine einheitliche Weiterbildungsordnung; die einzelnen existierenden Zertifikate werden von unterschiedlichen Organisationen unter unterschiedlichen Voraussetzungen vergeben.

 

Nebenwirkungen und Komplikationen

Bei folgenden Erkrankungen soll die Neuraltherapie nicht angewendet werden:

  • Blutgerinnungsstörungen
  • Allergie gegen das verwendete Lokalanästhetikum
  • schwere Herzrhythmus- und Überleitungsstörungen
  • Myasthenia gravis

Bei Beachtung dieser Kontraindikationen sowie guter Kenntnis der Anatomie, der Injektionstechniken und Einhaltung der Höchstdosen kommt es bei der Neuraltherapie selten zu Komplikationen. Allerdings sind auch Infektionen der Einstichstelle und Nerven- und Gefässverletzungen beschrieben worden.

In der Neuraltherapie kommt dem Lokalanaesthetikum Procain traditionellerweise eine herausgehobene Rolle zu. In der klinischen Anästhesie  hat diese Substanz jedoch an Bedeutung verloren, da sie einige ungünstige Eigenschaften besitzt. Zum einen breitet sie sich im Vergleich zu anderen Lokalanästhetika schlecht im Gewebe aus, darüber hinaus gehört sie zur Gruppe der Aminoester , bei deren Abbau durch die ubiquitär  vorkommende Pseudocholinesterase  Paraaminobenzoesäure entsteht. Auf dieses Abbauprodukt reagieren einige Patienten allergisch. Zusätzlich können bei Anwendung von Procain (wie bei jedem anderen Lokalanästhetikum) die typischen Nebenwirkungen dieser Substanzgruppe wie Herzryhythmusstörungen  und ZNS-Symptome  bis hin zum generalisierten Krampfanfall auftreten. Neben Procain werden auch Lidocain  oder Prilocain  verwendet.

Wie bei vielen Behandlungsmethoden aus dem Bereich der Alternativmedizin  ist die Wirksamkeit bisher wissenschaftlich nicht bewiesen worden; daher werden die Kosten der Behandlung nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Auch besteht die Gefahr, dass durch primäre Behandlung gravierender Krankheiten durch die Neuraltherapie eine wirksame Therapie durch wissenschaftlich anerkannte Methoden verzögert wird.

 

Literatur

  • Dosch, P.: Lehrbuch der Neuraltherapie nach Huneke, 14. Aufl., Karl F. Haug, Heidelberg 1995.
  • Fischer, L.: Neuraltherapie nach Huneke – Grundlagen, Technik, praktische Anwendungen. Hippokrates, 2. Aufl., Stuttgart 2001.
  • Hahn-Godeffroy, J.D.: Neuraltherapie nach Huneke – Störfeldtherapie – ein regulationsmedizinisches Verfahren unter Verwendung von Procain, 2. Aufl., Uelzen 2004.
  • Mudra, I., Badtke, G.: Neuraltherapie. Lehrbuch und Atlas, 2. Aufl., München 1998.

 

Honorar nach Vereinbarung.

 

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